Hinweise zur Diagnostik

Wann Bildgebung empfohlen wird

Bildgebung ist nicht prinzipiell für jede Migräne nötig. Im Falle der Migräne mit Hirnstammaura ist die Leitlinienlage jedoch eine etwas andere:

Eine besonders wichtige internationale Quelle für die Frage, wann Bildgebung empfohlen wird, ist das European Headache Federation (EHF) Consensus Paper zu technischen Untersuchungen bei primären Kopfschmerzen (2016). (https://thejournalofheadacheandpain.biomedcentral.com/counter/pdf/10.1186/s10194-016-0596-y.pdf)

Die EHF nennt zwei Situationen, in denen eine MRT des Gehirns sinnvoll ist:

  1. Aura, die einseitig anhält, und
  2. Migräne mit Hirnstammaura.

„Brain MRI is suggested for migraine with aura that persists on one side, or for brainstem aura.“ (EHF)

Einige Fachleute empfehlen zusätzlich eine MRA (Vessel Imaging):

„Some experts also recommend brain MRA in patients with brainstem aura or atypical aura patterns.“ (EHF)

Was zusätzlich untersucht werden kann

Je nach individuellem Befund können laut EHF-Empfehlung folgende Zusatzuntersuchungen sinnvoll sein:

  • EEG – bei Bewusstseinsveränderungen oder zur Abgrenzung epileptischer Ereignisse
  • Ultraschall der Karotiden und Vertebralarterien
  • CT-Angiographie oder MR-Angiographie (Gefäßdarstellung)
  • Genetische Diagnostik (in ausgewählten Fällen; z. B. bei Verdacht auf CACNA1A-, ATP1A2- oder SCN1A-Mutationen)

Diese Zusatztests dienen nicht der „Bestätigung“ der Migräne mit Hirnstammaura, sondern dem Ausschluss anderer Ursachen wie Schlaganfall, strukturellen Hirnstammläsionen oder seltenen hereditären Migräneformen.

Bitte beachten Sie unbedingt auch die folgende Seite: ➜ Differenzialdiagnostik: Abgrenzung zu psychischen Störungen

 

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„Migräne-Flecken“ im MRT

Vor allem bei chronischer Migräne und langen Migräne-Karrieren, tauchen in der MRT-Bildgebung manchmal unspezifische Läsionen auf.

Es handelt sich dabei um sogenannte Hyperintensitäten der weißen Substanz (White Matter Hyperintensities – WMH). Sie liegen vor allem in der tiefen und juxtakortikalen weißen Substanz (frontal, parietal, temporal). In einer Studie lagen sie bei ca. 39–44 % der Migränepatienten – in der Kontrollgruppe dagegen bei 0 %. Sie sind bei Frauen, insbesondere bei Migräne mit Aura, älteren Patienten und bei längerer Krankheitsdauer häufiger.

Radiologen raten oft zum Ausschluss einer MS. Für Patienten und Patientinnen, die solche Befunde lesen, kann dies beängstigend sein. Sie können sie beruhigen: Solche unspezifischen Läsionen („Migräne-Flecken“) gelten in der Regel als klinisch unauffällig und haben in den meisten Fällen keinen unmittelbaren Krankheitswert. Diese Läsionen sind meist rund, klein (um 2–3 mm) und „subkortikal/deep white matter“ – also typische „Migräne-Punkte“, nicht unbedingt „MS-Plaques“.

In Studien wird beschrieben, dass viele der Patienten und Patientinnen mit „Flecken im MRT“ in MS-Ambulanzen landen. Aber, die meisten davon entwickeln nie eine MS, wenn klinisch, liquorologisch und vom Muster her nichts dafür spricht. Entscheidend ist also das Gesamtbild: typische Migräneanamnese, keine MS-typischen Zeichen in Liquor und Klinik und ein dazu passender MRT-Befund.
(vgl. Dobrynina et al., 2012, Rovira et al., 2015 und Lebrun, 2014)

Ebenfalls interessant: Migränepatienten haben zwar häufiger solche Läsionen, aber langfristige kognitive Verschlechterung oder Demenzrisiko sind insgesamt nicht erhöht, teilweise sogar eher unauffällig oder besser als gedacht.
(vgl. Lee et al., 2019)

Buchtipp

Buchcover mit dem Titel Migräne mit Hirnstammaura - Leben mit einer seltenen, schweren Form der Migräne (früher: Basilarismigräne). Darunter zur Illustration eine auf der Seite liegende Person als Doppelbild mit Blitzen und Wellen, die die Sinneswahrnehmungen symbolisieren.

Weitere Informationen zur Abgrenzung zu weiteren Migräneformen (vestibuläre Migräne und (familiäre) hemiplegische Migräne), zur Pathophysiologie, Komplikationen und Komorbiditäten, sowie authentische Fallbeispiele finden Sie im Buch „Migräne mit Hirnstammaura – Leben mit einer seltenen, schweren Form der Migräne (früher: Basilarismigräne)“
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