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Migräne mit Hirnstammaura: Grundlagen

Migräne mit Hirnstammaura ist eine seltene, aber klar definierte Form der Migräne mit Aura.
Sie gehört seit vielen Jahren offiziell zur Migränefamilie und wird in der internationalen Kopfschmerzklassifikation als eigene Unterform beschrieben (ICHD-3). Früher „Basilarismigräne“ genannt, weiß man heute: Die typischen Symptome entstehen nicht durch Gefäßkrämpfe, sondern durch Funktionsstörungen neuronaler Netzwerke im Bereich des Hirnstamms (vgl. Kaniecki, 2024).

Illustration eines menschlichen Hirnstamms in Seitenansicht
Hirnstamm (Seitenansicht)

Was diese Form der Migräne so besonders macht:

Die Aura betrifft nicht einzelne Sinneskanäle, sondern gleich mehrere Hirnstammfunktionen gleichzeitig. Dadurch wirkt ein Anfall oft dramatisch: mit starkem Schwindel, Sprachstörungen, Tinnitus / Hörminderung, Doppelbildern, Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsproblemen oder zeitweiser Bewusstseinsveränderung. Viele Betroffene erleben zusätzlich Panik, weil die Symptome gefährlichen Erkrankungen ähneln. Trotzdem gilt: Alle Beschwerden bilden sich vollständig zurück.

Warum sie so schwer zu erkennen ist:

Die Migräne mit Hirnstammaura ist selten. Deshalb wird sie häufig übersehen oder vorschnell als psychosomatisch bewertet. Fachärztliche Diagnostik, eine gute Anamnese und Erfahrung mit Migräne-Unterformen sind entscheidend, um sie sicher von Schlaganfall, vestibulären Störungen oder hemiplegischer Migräne abzugrenzen.

Wer betroffen ist:
Es liegen keine Daten vor, die Aufschluss darüber geben, wie viele Betroffene es in Deutschland gibt oder bisher gab (Prävalenz und Inzidenz). In einer dänischen Studie zeigte sich rechnerisch, dass etwa 0,04 Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen sind (vgl. Yamani et al, 2019).

Am häufigsten tritt sie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, kann aber in jedem Alter beginnen. In der klinischen Praxis zeigt sich häufig, dass Betroffene neben der Hirnstammaura auch typische Migräneattacken oder Mischformen erleben. Verschiedene Fachquellen unterstützen diesen Eindruck (z. B. Göbel, 2012; Olesen, 2028; Yamani et al, 2019). Vor allem die Symptomatik der vestibulären Migräne („Schwindelmigräne“) kennen viele Betroffene der Migräne mit Hirnstammaura ebenfalls, wie in Selbsthilfe-Foren zu lesen ist.

Was Betroffenen hilft:
Akut gibt es nur wenige Möglichkeiten, direkt in die Auraphase einzugreifen. Ruhe, Reizreduktion, Magnesium (schnell wirksam) und Antiemetika können Phasen abmildern. Langfristig orientiert sich die Therapie an der klassischen Migräneprophylaxe: z. B. mit Kalziumkanalblockern, Betablockern, Antidepressiva, Antiepileptika oder CGRP-basierten Therapien.

Wissen „To Go“

Einen schnellen Überblick liefert das 🗎↓ kurze Infoblatt zur Migräne mit Hirnstammaura (PDF)

Mehr über:

Symptome & Diagnosekriterien
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Therapie (Prophylaxe)
Selbsthilfe

Buchtipp

Buchcover mit dem Titel Migräne mit Hirnstammaura - Leben mit einer seltenen, schweren Form der Migräne (früher: Basilarismigräne). Darunter zur Illustration eine auf der Seite liegende Person als Doppelbild mit Blitzen und Wellen, die die Sinneswahrnehmungen symbolisieren.

Noch mehr Wissen, wichtige neurologische Fachbegriffe, authentische Fallbeispiele und einen Notfallausweis zum Ausschneiden finden Sie im Buch „Migräne mit Hirnstammaura – Leben mit einer seltenen, schweren Form der Migräne (früher: Basilarismigräne)“
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